Hallo, ich bin Johanna, 24 Jahre alt und komme aus Bamberg, einer kleinen Stadt in Bayern. Von Januar 2017 bis Mai 2017, habe ich als Language Assistant in Madrid Deutsch für die Altersgruppen 10 bis 17 unterrichtet und die Zeit dort sehr genossen. Das Leben als Language Assistant in Spanien ist sehr vielseitig: Unterrichten verschiedener Altersgruppen (von Schülern bis hin zu Kollegen), die Möglichkeit seine eigenen Ideen und Kreativität einzubringen sowie die Chance einen Online-Kurs an der Universität zu absolvieren, die spanische Kultur kennenzulernen und, und, und. Für mich war es genau die richtige Entscheidung, in Spanien Deutsch zu unterrichten und ich würde es immer wieder tun. Warum? Lest selbst!

Spanien Deutsch zu unterrichten

Ein Ausflug in die schöne Stadt Segovia

Fünf Gründe, warum es eine gute Entscheidung war, in Spanien Deutsch zu unterrichten

1. Wunderbare Menschen und Freundschaften

Was ist das Beste daran, Deutsch im Ausland zu unterrichten? Für mich sind das sicherlich die Begegnung mit den Menschen. Wie bereits erwähnt, sind Spanier sehr freundlich und man findet schnell Anschluss. Meine Kollegen an der Schule waren nach wenigen Monaten nicht nur Kollegen, sondern Freunde. Meine Tandem-Partner wurden ebenfalls zu Freunden, mit denen ich mich in der Regel wöchentlich traf und austauschte. Die Nachbarn wurden zu guten Bekannten, mit denen man im Garten gerne mal plauschte.

Und dann waren da noch die anderen Language Assistants in Madrid.  Eine bunt gemischte, internationale Gruppe aus den USA, Australien, England, Nordirland und Deutschland. Die Möglichkeit zu haben, Zeit mit denen zu verbringen, die genau das gleiche erleben wie ich, war für mich besonders schön. So haben wir uns nie wirklich alleine gefühlt, es gab immer jemanden zum Reden, zum Austauschen, zum Helfen, zum Madrid-Erkunden und zum Reisen. Wir haben zum Beispiel Ausflüge nach Córdoba, Toledo, Segovia und ins wunderschöne Granada gemacht.

Mit Sicherheit kann ich sagen, dass einige dieser Freundschaften für sehr lange halten werden.

Unterrichten in Spanien!

Unsere internationale Freundsgruppe!

2. „Sie“ – „Frau“ – „Herr“, das braucht man in Spanien nicht

An meinem ersten Unterrichtstag habe ich meine Tutorin, Deutsch- und Englischlehrerin gefragt, wie das denn mit der 3. Person Plural – also der Höflichkeitsform „Sie“ sei? Mir war aufgefallen, dass die Schüler an meiner Schüle in Spanisch immer „tú“ und nicht „Usted“ verwenden, genauso wie den Vornamen anstatt „Señor“ oder „Señora“. Für mich war das etwas komisch und, da die Höflichkeitsform im Deutschen ja sehr vertieft und durchaus auch Teil der Kultur ist, wunderte ich mich noch mehr. Meine Tutorin antwortete auf meine Frage mit einem Lachen: „Das kannst du ihnen nicht beibringen. Sie benutzen das ja nicht mal in ihrer eigenen Sprache, wie sollen sie dann verstehen, dass sie es in Deutsch verwenden sollen.“

Wie bereits gesagt, von den Schülern mit meinem Vornamen angesprochen zu werden, teilweise sogar umarmt zu werden, war für mich zu Beginn sehr gewöhnungsbedürftig. Rückblickend kann ich sagen, dass auch diese „lockere“ teilweise schon fast freundschaftliche Beziehung zwischen Lehrern und Schülern, wie fast alles, Vor- und Nachteile hat. Sicherlich fühlen sich die Schüler oftmals weniger ängstlich oder unter Druck, sind vielleicht sogar bereiter, über Probleme zu sprechen. Jedoch kann ich mir auch vorstellen, dass es für Lehrer schwierig sein könnte, den Abstand und somit eine neutrale Beziehung zu den Schülern zu haben.

Für mich war es nach der anfänglichen Gewöhnungsphase jedoch eher positiv. Durch die lockere Beziehung zu den Schülern, hatte ich das Gefühl, ihnen leichter etwas beibringen zu können. Ich musste nicht die strenge Lehrerin sein und konnte meinen Unterricht spielerisch gestalten. 

3. La vida loca – Das spanische Leben(sgefühl)

Siesta, Sangria und jeden Tag Tapas? So ganz wahr sind diese Vorurteile, das wir gerne haben, nicht. Was jedoch definitiv kein Märchen ist: Die Spanier sind in fast allen Lebenslagen viel entspannter, zuvorkommender und freundlicher als der „normale Deutsche“. Was ich damit meine? Nach meinen ersten Tagen an der Schule, hatte ich bereits mehrere Einladungen, mit Kollegen abends mal was trinken zu gehen (zu diesem Zeitpunkt konnte ich mir noch nicht mal alle Namen merken). In Supermärkten, Apotheken und Restaurants wird man fast immer sehr freundlich und mit Floskeln wie „Hola Chica“ oder oftmals sogar „Hola Guapa“ begrüßt. Das hat jedoch in keinem Fall eine erniedrigende Wertung, ganz im Gegenteilt, du fühlst dich willkommen. Spanier feiern gerne, treffen sich gerne mit Freunden und genießen das Leben. Genau das ist ein Grund, warum ich es zu lieben gelernt haben, in Spanien zu leben. Im Gegensatz zu Deutschland, hatte ich das Gefühl, dass man sich noch Zeit füreinander nimmt und, dass man nicht für seine Arbeit oder ein schönes Haus, Auto, etc. lebt. Trotz meiner 18-Stunden Woche an der Schule und dem TEFL Kurs, hatte ich nie wirklich das Gefühl, im Stress zu sein bzw. keine Zeit zu haben, etwas Schönes zu unternehmen.

4. Lerne Spanisch und deine eigene Sprache besser kennen

Deutsch-als-Fremdsprache zu unterrichten

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Ob ich mein Spanisch während meiner Zeit als Language Assistant für Deutsch verbessert habe? Ja, ABER man braucht auf jeden Fall ein gewisses Maß an Selbstdisziplin. Man ist tagsüber in der Schule, wo man nur Deutsch spricht. Am Nachmittag/Abend bereitet man in der Regel seinen Unterricht in den oben genannten Sprachen vor oder erledigt etwas für den Uni-Kurs. Doch mit dem Willen, seine Sprachkenntnisse zu verbessern, schafft man das auch. Ich würde auf jeden Fall raten, schon vor Beginn des Programmes etwas Spanisch zu lernen, damit es dann vor Ort schneller und einfacher geht. Außerdem habe ich über die Seite www.lingobongo.com Tandem-Partner gefunden und somit mein Spanisch geübt.

Unterschätze außerdem nicht, wie du auch in Deutsch sicherer wirst und sogar neue Dinge lernst. Ein Schüler oder Lehrer fragt dich, warum man hier Akkusativ und nicht Dativ verwendet und alles was dir einfällt ist: „Ähm..weil es sich richtig anhört!“. Für mich war es zwar nicht das erste Mal, dass ich deutsche Grammatik erklären musste, jedoch habe ich während meiner Zeit als Language Assistant sicherlich eigentlich gar nicht neue, aber dann doch irgendwie neue Dinge über meine Muttersprache gelernt.

5. Lehren – ja oder nein?

Bevor ich nach Spanien ging um dort Deutsch als Fremdsprache zu unterrichten, hatte ich bereits Nachhilfeunterricht und einen VHS-Kurs gegeben, jedoch noch nicht in einer „richtigen“ Schule mit Kindern und Jugendlichen gearbeitete. Zugegebenermaßen war ich anfangs auch etwas überfordert: 18 Wochenstunden mit 18 verschiedenen Klassen. Von Zeit zu Zeit wurde es aber natürlich besser, ich habe mich gut eingelebt, mich an Kollegen und Schüler gewöhnt und mich als Teil der Schule gesehen.

Ich bin mit dem Plan nach Spanien, eine Bestätigung zu bekommen, dass ich wirklich unterrichten möchte. Im Oktober dieses Jahr möchte ich gerne mit dem Studium Deutsch als Fremdsprache beginnen und die Zeit in Madrid war für mich eine letzte Probe, ob das wirklich das Richtige für mich ist. Dementsprechend hatte ich auch etwas Bammel, dass es mir vielleicht nicht gefallen könnte und mein Plan somit nicht aufgeht…

Zum Glück war es aber überhaupt nicht so. Mir hat es super Spaß gemacht Deutsch in Spanien zu unterrichten und ich kann es nun kaum abwarten, mein Studium aufzunehmen und wer weiß, vielleicht kehre ich danach ja wieder nach Spanien zurück.

Ich kann denjenigen von euch, die noch zweifeln, ob das Meddeas Programm das Richtige für euch ist, nur raten: Wenn ihr Lust habt, mit jungen Menschen zusammen zu arbeiten, Teil eines Lehrerteams zu sein, in diesem wunderschönen Land zu leben, außergewöhnliche Begegnungen zu machen und eine einmalige Erfahrung genießen wollt, dann traut euch! Ihr werdet es sicherlich nicht bereuen!

2016/17 Posted by Johanna W.